Wir schweigen nicht!

Veröffentlicht am 29.02.2012 in Ortsverein

In vielen Mails und Anrufen wurde ausdrücklich gelobt, dass die Pegnitzer SPD auf die rechten Umtriebe am Mahnmal am Schlossberg aufmerksam gemacht hat. Es kam aber häufig auch die Frage auf, ob man den Rechten dadurch nicht eine Plattform und zu große Aufmerksamkeit verschafft. Zum Teil stimmt das sogar, doch alles tot zu schweigen und so zu tun, als sei nichts geschehen, wäre grundverkehrt. Wir Sozialdemokraten schweigen nicht!

Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Machenschaften an unserem Mahnmal im Verborgenen abgehalten werden. Dies entehrt die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten und die millionenfachen Opfer des Nationalsozialismus.

Wir wehren uns dagegen, dass Opfergedenken missbraucht wird, um die Machenschaften der Täter zu rechtfertigen. Wir wehren uns dagegen, das deutsche Mordopfer mit ausländischen Mordopfern aufgewogen werden. Jedes Opfer ist eins zuviel. Egal, von wem die Straftat begangen wurde. Wir wehren uns ebenso gegen jede Art von Extremismus.

Um dies zu verdeutlichen, finden Sie hier den Redebeitrag des Fraktionsvorsitzenden Uwe Raab zum nachlesen:

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich stehe heute hier, weil ich vor 25 Jahren bei einem gemeinsamen Besuch mit Hans Meier in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau dem Hans das Versprechen gab, sobald sich braune Umtriebe zeigen postwendend zu handeln.

Hans Meier war Pegnitzer Sozialdemokrat, der, wie auch Hans Gentner als Pegnitzer Sozialdemokrat, im KZ Dachau als Häftling eingesperrt war, und uns bei dem damaligen Besuch der Gedenkstätte erstmalig in seinem Leben von den Gräueln und Brutalitäten, die die Aufseher mit ihnen anrichteten, erzählte.

In Pegnitz häufen sich nun braune Vorkommnisse. Schmierereien an der Röschmühlbrücke, Anbringen von Aufklebern auf Schulwegen, Verteilung von Flyern und jetzt aktuell diese sogenannte Gedenkveranstaltung am „Kriegerdenkmal“.

Ich bezeichne das als eine Schändung des Pegnitzer „Kriegerdenkmals“, das ich bisher im Sinne der Tradition des Volkstrauertages als Mahnmal bzw. Gedenkstätte für die Gefallenen der Kriege, die zivilen Opfer der Kriege, die Opfer von Faschismus und Vertreibung und ich ergänze: die Opfer von Terrorismus und Gewalt also als ein Mahnmal für Friedfertigkeit und Versöhnung, Toleranz und Menschenwürde verstanden habe.

Laut Michael Helmbrecht, dem Sprecher der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, nehmen die rechten Aktivitäten zu, sprießen gar wie Pilze aus dem Boden.

Ich bezeichne es als eine Dreistigkeit sonders gleichen, wenn diese Zunahme rechter Aktivitäten vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse, der Morde der rechtsextremen Terrorzelle NSU geschieht.
Umso ernster müssen wir das nehmen.

Das Erschütternde daran ist, dass es zumeist junge Leute sind, die sich hier in Vergangenheitsverklärung üben.

Pegnitz darf keine Pilgerstätte für irgendwelche Nazigedenken werden.
Wir sagen von Anfang an deutlich NEIN!!!

Wir nehmen es ernst, wenn dieser symbolträchtige Ort und das Dresdener Gedenken von den Nazis missbraucht werden.

Und: Wir sind da sehr sensibel, denn schließlich hatten auch Pegnitzer Sozialdemokraten in den Konzentrationslagern der Nazis zu leiden. So stehen wir hier in ehrendem Gedenken und in der Tradition von Hans Gentner (ehemaliger Pegnitzer Bürgermeister und Mitglied der Bayerischen Staatsregierung) und Hans Meier, die uns das Eintreten für Demokratie und Freiheit, Toleranz und Menschenwürde ins Stammbuch geschrieben haben.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, wenn uns diese Nazis erst das Leid von Krieg und Zerstörung angetan haben und jetzt missbrauchen sie diese Stätte. Ich bin erschüttert und es stülpt mir förmlich alles von innen nach außen.

Dankbar bin ich der SPD Fraktion im Bayerischen Landtag, die für dieses „Freie Netz Süd“ einen Verbotsantrag gestellt hat. An dieser Stelle darf ich herzlich von Christoph Rabenstein grüßen, dem hiesigen Landtagsabgeordneten und dem Experten in der Landtagsfraktion für Rechtsextremismus. Er ist heute verhindert.

Diese Treiben der Geschichtsverklärung und das Hantieren mit Halbwahrheiten muss beendet werden.

Niemand wird jemals die gnadenlose Bombardierung von Dresden für gut heißen. Die ganze Wahrheit aber ist, dass sie Folge einer brutalen Gewaltspirale war, die von den deutschen Nazis über Europa gebracht wurde.

Deshalb bieten wir diesen Lügnern und Geschichtsverklärern die Stirn.

Wir halten es mit den zehntausenden Dresdnern, die am 13. Februar für Frieden und Versöhnung demonstriert haben.

Zum Abschluss stelle ich fest: Aus dem Schutt und aus der Asche, die die Nazis über Europa gebracht haben, darf nie wieder die Flamme des Faschismus lodern. Und wenn es den Anschein hat, dann werden wir uns standhaft dagegenstellen wie die Feuerwehr und diese Glut löschen.

Wenn dieser Spuk kein Ende hat, dann müssen wir in Pegnitz, und dazu rufen wir auf, wie in Gräfenberg oder Wunsiedel, ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Kirchen, Schulen, Parteien und Verbänden auf die Beine stellen.

An dieser Stelle darf ich die Grüße von Bürgermeister Manfred Thümmler übermitteln, dessen eng gestrickter Terminkalender eine Teilnahme nicht ermöglichte. Er bittet gleichermaßen und einvernehmlich mit uns um Geschlossenheit, mit der wir diesem Treiben begegnen.

 

Homepage SPD Ortsverein Pegnitz

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